RSI Indikator

Der Relative Strength Index(RSI) ist ein Indikator der technischen Analyse und wurde 1978 von J. Welles Wilder (Maschinenbauingenieur) entwickelt. Er zeigt vor allem das Momentum und die Bereiche “überkauft” oder “überverkauft” an. Der RSI ist im Grunde ein Momentum-Oszillator, der sowohl das Ausmaß der Kursbewegungen als auch die Geschwindigkeit dieser Bewegungen misst, um aus den Berechnungen der Vergangenheit einen Preistrend für die Zukunft abzuleiten.

Inhaltsverzeichnis

Berechnung und Basiswerte

Wie berechnet man den RSI?

Der RSI ist im Grunde ein Vergleich der durchschnittlichen Tage mit einem Plus und den Tagen mit einem Minus über einen bestimmten Zeitraum. Formal gesehen sieht das so aus:

RSI= 100 – [ 100 ÷ ( 1 + ( U ÷ D ) ) ] 
U = (Anzahl Tage mit Plus ÷ Beobachtungszeitraum)
D = (Anzahl Tage mit Minus ÷ Beobachtungszeitraum)

Beispiel für eine Berechnung

Lass uns den RSI für die letzten 14 Tage berechnen.
In dieser Zeit gab es 10 Tage, die mit einem Plus endeten und 4 Tage, die im Minus endeten.
Dann gilt für die Werte U und D das Folgende:
U = ( 10 ÷ 14) = 0,714…
D = ( 4 ÷ 14) = 0,286…

RSI= 100 – [ 100 ÷ ( 1 + ( 0.714 ÷ 0.286 ) )
RSI= 100 – 28,6
RSI= 71,4

Grundwerte:

Beobachtungszeitraum
oberer Grenzbereich
unterer Grenzbereich

Beobachtungszeitraum

Der RSI kalkuliert in der Standardeinstellung mit den letzten 14 Werten. Also bei Tagesansicht die letzten 14 Tage, bei Stundenansicht die letzten 14 Stunden. Der Beobachtungszeitraum kann auch manuell eingestellt werden. Weniger als 14 bedeutet, dass der RSI “näher” am Kurs liegt, d. h. der RSI ändert sich schneller, was für den kurzfristigen Handel oder schnelle Marktbewegungen von Vorteil sein kann.

Oberer Grenzbereich

Die obere Grenze zeigt an, wann der Markt überkauft ist. Der Standardwert hierfür ist 70.
Wenn also der RSI-Wert über 70 steigt, bedeutet das, dass der Vermögenswert wahrscheinlich nahe an seinem Höchststand ist.
Und dass der Vermögenswert aktiv am Markt gekauft wurde und jetzt “überkauft” ist.
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis in naher Zukunft eher fallen wird.
Für kurzfristige Handels-Setups in besonders starken Aufwärtsbewegungen kann der obere Grenzbereich auch auf 75 oder 80 gesetzt werden. Allerdings steigt dann auch das Risiko.

Unterer Grenzbereich

Die untere Grenze zeigt an, dass der Markt “überverkauft” ist. Der Standardwert hierfür ist 30.
Wenn also der RSI-Wert unter 30 fällt, bedeutet das, dass der Vermögenswert wahrscheinlich nahe an seinem Tiefpunkt ist.
Und dass der Vermögenswert auf dem Markt aktiv verkauft wurde und jetzt “überverkauft” ist.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Preis in naher Zukunft wieder steigt.

Wann man nach dem RSI kaufen oder verkaufen sollte

Um anhand des RSI zu entscheiden, ob du kaufen oder verkaufen solltest, werden der obere und der untere Grenzbereich betrachtet. Im Allgemeinen ist die Bewegung des RSI von 30 in Richtung 70 ein handelbarer Bereich. Wenn der RSI von unten nach oben ansteigt, achte darauf, dass der RSI vor diesem Anstieg so weit unten (30 oder niedriger) wie möglich war. Das ist dann in der Regel ein ziemlich sicherer Zeitpunkt für den Einstieg. So kann im Allgemeinen die RSI-Bewegung zwischen 30 und 70 gehandelt werden. Je geringer der Anstieg zwischen Kauf und Verkauf, desto “sicherer” ist es, aber desto geringer ist der Gewinn.

Kaufen

Das Standard Trading Setup für einen Kauf mit RSI-Indikator wäre z. B.: Wenn der RSI-Wert den unteren Grenzbereich von 30 aufwärts überschreitet. Wenn also der RSI-Wert unter die 30 gefallen ist, dann wieder in die Aufwärtsbewegung geht und den RSI-Wert 30 nach oben kreuzt.

Verkaufen

Das Standard-Setup für einen Verkauf mit dem RSI-Indikator wäre z. B.: Wenn der RSI-Wert den oberen Grenzbereich von 70 nach unten überschreitet. Wenn also der RSI-Wert über 70 gestiegen ist, dann wieder in die Abwärtsbewegung geht und die 70 nach unten schneidet. Wer das Risiko noch etwas senken möchte, kann den Verkauf auch schon einleiten, wenn der RSI-Wert die 70 nach oben kreuzt. Dadurch sinkt das Risiko etwas, aber auch der mögliche Gewinn.

Divergenzen

Der RSI kann auch verwendet werden, um Trendumkehrungen sowie Widerstands- und Unterstützungsniveaus zu bestimmen. Basierend auf sogenannten bullischen oder bärischen Divergenzen. Im Falle einer Divergenz bewegen sich der Kurs und der entsprechende RSI-Wert in entgegengesetzte Richtungen.

Allerdings kann bei beiden Divergenzen auch der RSI Wert selbst seine Richtung ändern und somit die aktuelle Preisbewegung erhalten bleiben. In diesem Fall wird dann die Divergenz selbst außer Kraft gesetzt. Achte daher immer auf eine Richtungsänderung beider Faktoren, des Kurses und des RSI-Werts.

Bullische Divergenz:

RSI steigt, während der Preis stark fällt
Das bedeutet einen Anstieg der Kaufkraft trotz eines Preisrückgangs. Infolgedessen ist es wahrscheinlich, dass der Kurs als Nächstes seine Abwärtsbewegung ändert und zur Aufwärtsbewegung zurückkehrt.

Bärische Divergenz:

RSI fällt, während der Preis steigt
Das bedeutet, dass die Kaufkraft trotz des Preisanstiegs sinkt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs seine Aufwärtsbewegung beendet und wieder in die Abwärtsbewegung übergeht, ist also groß.

Der Unterschied zwischen RSI und MACD

Der RSI und der MACD gehören zu den bekanntesten Indikatoren in der Chartanalyse. Deshalb sollte der direkte Unterschied hier noch einmal angesprochen werden. Der MACD basiert in seinen Berechnungen auf gleitenden Durchschnitten und wird vor allem zur Bestimmung des allgemeinen Trends verwendet. Der RSI hingegen stützt sich bei seinen Berechnungen auf die Messung der Geschwindigkeit von Kursänderungen sowie auf die durchschnittlichen Kursgewinne oder -verluste. Der RSI wird hauptsächlich verwendet, um überverkaufte oder überkaufte Zustände festzustellen.

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Leider ist kein technischer Indikator allein 100%ig ausreichend. Deshalb sollte man den RSI-Indikator immer zusammen mit anderen Indikatoren verwenden, um falsche Signale zu vermeiden. Durch die Kombination mehrerer Indikatoren können “falsche” oder schwache Signale reduziert werden. Allerdings gibt es bei jedem Handelssetup auch negative Trades, d. h. Verlusttrades. Das ist völlig normal, nur die Summe über die Monate sollte im PLUS sein.

Nützliche Kombinationen zusammen mit dem RSI:

  • EMA 50 / 100 / 200
  • SMA
  • Bollinger Bänder
  • Ichimoku-Wolke
  • MACD

Fazit

Der RSI-Wert ist ein sehr bekannter technischer Indikator und wird häufig im Handel verwendet, weil er das Momentum, Richtungsänderungen und insbesondere die Bereiche “überkauft” und “überverkauft” recht gut widerspiegelt. Der “RSI” ist ein relativ schnell reagierender Indikator, wodurch er in der Lage ist, Ausstiegs- und Wiedereinstiegssignale zu liefern.

In einem reinen Aufwärtsmarkt kann er mit Vorsicht als alleiniger Indikator für den Handel verwendet werden. Allerdings gibt es unter Umständen in Abwärts- und Seitwärts-Phasen relativ viele “falsche” Signale, die dann zu erhöhten Verlusten führen. Dies kann durch einen gut gesetzten Stop-Loss begrenzt werden.

Dabei sind die Grundwerte, der obere und untere Grenzbereich sowie die Abweichungen zu berücksichtigen. Der RSI-Indikator sollte mit anderen Indikatoren wie MACD, EMA und MA kombiniert werden, um Fehlsignale zu vermeiden.

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